20/07/2026
5 Fehler in Betriebsanleitungen, die wir immer wieder sehen.
Nach über 30 Jahren können wir eines sagen: Es gibt Fehler, die tauchen immer wieder auf. Branchenunabhängig, produktunabhängig, unternehmensunabhängig. Nicht, weil die Hersteller nachlässig wären, sondern weil technische Dokumentation ein Fachgebiet ist, das oft unterschätzt wird.
Hier sind die fünf häufigsten Fehler und was sie in der Praxis bedeuten.
Fehler 1: Unklare Zielgruppendefinition
Für wen ist diese Anleitung eigentlich geschrieben? Wenn die Antwort "für alle" lautet, ist das meistens ein Problem. Eine Anleitung, die gleichzeitig den Monteur in der Fabrik und den Endverbraucher zu Hause ansprechen soll, überfordert beide.
Die Folge: zu viel Information für einen, zu wenig für den anderen. Sicherheitshinweise, die für Fachpersonal selbstverständlich sind, fehlen beim Laien. Detailtiefe und Sprache passen nicht zusammen.
Die Lösung: Vor dem Schreiben die Zielgruppe klar definieren. Vorkenntnisse, Ausbildung, Sprachniveau, Verwendungskontext.
Fehler 2: Fehlende oder falsch platzierte Sicherheitshinweise
Sicherheitshinweise gehören in ein Kapitel am Anfang der Anleitung. Warnhinweise hingegen gehören genau dorthin, wo die gefährliche Handlung beschrieben wird, direkt davor und nicht drei Seiten früher.
Häufiges Bild in der Praxis: Ein allgemeines Sicherheitskapitel mit allen Warnhinweisen, die dann in den Handlungsanweisungen nicht mehr auftauchen. Wer den Sicherheitsabschnitt überspringt, und das tun viele, erhält später keine Warnung mehr.
Normen wie die IEC/IEEE 82079-1 geben klare Vorgaben, wie und wo Warnhinweise einzubinden sind.
Fehler 3: Inkonsistente Terminologie
Wird ein Bauteil in Kapitel 2 "Hebel" genannt, in Kapitel 4 "Schalter" und in der Übersetzung "Kippschalter", entstehen Unsicherheiten. Der Nutzer fragt sich: Ist das dasselbe Teil? Habe ich etwas übersehen?
Inkonsistente Terminologie ist nicht nur ein stilistisches Problem. Sie kann zu Bedienfehlern führen und im schlimmsten Fall zu Unfällen. Einmal festgelegte Benennungen müssen konsequent durch das gesamte Dokument und alle Sprachversionen verwendet werden.
Ein Terminologie-Management-System oder zumindest ein einfaches Glossar schafft hier Abhilfe. Eine gepflegte Terminologie kann durch konsistente Bezeichnungen und Satzstrukturen dabei helfen, Übersetzungskosten einzusparen. Je mehr Sprachen benötigt werden, desto relevanter ist dies.
Fehler 4: Nicht normkonforme Struktur
Eine Betriebsanleitung ist kein Fließtext. Sie folgt einer definierten Struktur: Sicherheitshinweise, Produktbeschreibung, Inbetriebnahme, Betrieb, Wartung, Störungsbeseitigung, Entsorgung. Diese Reihenfolge ist nicht zufällig, sie entspricht dem Produktlebenszyklus und den normativen Anforderungen.
Hersteller, die Anleitungen nach eigenem Ermessen strukturieren, riskieren Abweichung von Normanforderungen. Das kann bei einer Konformitätsprüfung oder im Schadensfall problematisch werden.
Fehler 5: Kein Review durch Fachfremde
Der größte blinde Fleck in der technischen Dokumentation: Das Dokument wird ausschließlich von Menschen geprüft, die das Produkt bereits kennen. Natürlich finden sie keine Lücken. Sie füllen sie unbewusst selbst.
Ein Review durch jemanden, der das Produkt nicht kennt, zeigt sofort, wo Informationen fehlen, wo Schritte unklar sind und was ein Nutzer wissen muss, das hier nicht steht.
Diesen Außenblick bringen externe Technische Redakteure aus Erfahrung mit. Das ist einer der größten Vorteile einer externen Dokumentation.
Kennen Sie einen dieser Fehler aus Ihrem Alltag? Die meisten davon lassen sich mit der richtigen Struktur, einem klaren Prozess und etwas Abstand zum eigenen Produkt vermeiden.
Bei Ingenieurbüro FORMAT unterstützen wir Sie dabei, von der ersten Analyse bis zur fertigen, normkonformen Betriebsanleitung.