18/04/2026
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BUCHTIPP
Sven Beling arbeitet als freier Gartenplaner im Rheingau. Zwischen 2012 und 2014 dachte er sich für seine Tochter Gute-Nacht-Geschichten über eine Prinzessin aus, die im Wald lebt und sich auch einmal schmutzig macht. Daraus entstand dann ab 2016 ein Plot für drei bis sechs Bücher, und das erste war 2021 beendet. DIE WÄLDER VON NYNN I ist 2023 bei BoD erschienen, mit einem Lektorat von Melissa Schwermer.
Der Autor sagt: "Warum möchte ich inzwischen nicht nur für unsere Kinder schreiben? Weil es mir wichtig ist, das Leben als Abenteuer zu verstehen, das man mit Mut, Zuversicht … etwas Ironie und Schalk im Nacken frech angehen sollte. Besonders als Teenager … Warum schreibe ich? Zunächst nur für unsere Tochter/Kinder … aber langsam bemerkte ich, dass ich eine Tür aufgestoßen hatte, die ich vorher für unüberwindbar gehalten hatte. Dann bekam es langsam ein bisschen ‘Suchtcharakter’ in stillen Situationen (der Notizblock liegt seitdem neben dem Bett)."
Es beginnt mit Albträumen, die das Mädchen Nynn plagen, das abgeschieden mit Eltern und Bruder im Wald lebt. Auch in der Wachwelt geschehen unheimliche Dinge, die sie verunsichern und ihr das Gefühl geben, dass die Welt gefährlicher ist, als sie bisher geglaubt hat. Sie muss sich dem stellen und in einem Abenteuer über sich hinauswachsen und aus ihrer behüteten Kindheit herauskommen.
Dass die Welt größer ist, als sie gedacht hat, bemerkt sie, als sie stürzt und ein alter Jäger sie nach Hause bringt. Dieser Meister Hoerne zeigt sich als Wächter ihrer königlichen Familie, der sie einst durch dunkle Hecken in dieses versteckte Zuhause gebracht hat, um sie zu schützen. Der Wald, der für Nynn ein Ort der täglichen Abenteuer und der Freude ist, erweist sich für ihre Mutter als ein stilles Grab in all den Jahren, in denen sie mit ihrer Familie auf der Flucht ist.
Dann schleichen sich in der Dunkelheit Schatten an Nynn heran, die ihren Namen wissen wollen. Sie hat das Gefühl, dass im Wald etwas ist und auf sie wartet. Sie erfährt, dass ihre Familie von einer Hexe verfolgt wird, die Spione aussendet, um ihren Wohnort zu erfahren. Dann geraten sie in Lebensgefahr und werden durch Arasil, den weißen Hirsch und eine Herde Wisente gerettet. Sie erfahren, dass die boshafte Hexe eine ebenfalls zauberkundige, gutherzige Schwester hat. Mit dem weißen Hirsch kommen sie zu einem Runenstein, und dieser öffnet ein Tor.
Mehr soll nicht verraten werden, und die Elemente klingen nach einem klassischen Coming-of-Age-Fantasy-Plot. Dieser ist in diesem Fall authentisch. Die Geschichte weckt Erinnerungen an Pen-&-Paper-Rollenspiele in den späten 1980er-Jahren; an dünnes Hintergrundmaterial, das kreative Erzähler überreich mit ihren eigenen Fantasien verknüpfen und dann am Lagerfeuer beim illegalen Zelten am Baggersee die anwesenden Kumpels und Kumpelinen in den Plot einbringen.
Das ist keine Kritik, sondern ein Kompliment – und in Zeiten, in denen KI Varianten der immergleichen Fantasy-Romance mit hohlen Dialogen und leerer Handlung ausspuckt und damit den Markt bedeckt, ausgesprochen erfrischend.
Der Autor schreibt: "Es ist nicht Shakespeare, aber ich denke, es gibt wesentlich bessere Bücher … und wesentlich schlechtere." Richtig, das ist nicht Shakespeare, das ist Sven Beling. Und wer Fantasygeschichten mag, die nicht auf dem Reißbrett entstanden, sondern aus persönlicher Erfahrung selbst erarbeitet sind, der kommt hier auf seine Kosten.
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