22/02/2026
Nächträgliches Verfugen einer Klinkerfassade 🧱
Heute ist mir bei einem Ortstermin am Nachbargebäude etwas aufgefallen:
Die Fugen der Klinkerfassade waren über größere Bereiche offen – offenbar schon seit längerer Zeit nicht mehr intakt.
Viele gehen davon aus, dass eine Klinkerfassade wartungsfrei ist. Der Klinkerstein selbst ist zwar extrem langlebig – die eigentliche Schutzfunktion übernimmt jedoch die Fuge.
Warum ist das Verfugen überhaupt so wichtig?
Eine Klinkerfassade funktioniert nur im Zusammenspiel aus Verblendschale, Fuge, Luftschicht und Hintermauerwerk. Die Fuge ist dabei kein optisches Detail, sondern ein konstruktives Bauteil:
✔️ Schlagregenschutz – reduziert das Eindringen von Wasser in die Fassade
✔️ Geregelte Wasserführung – Feuchtigkeit kann ablaufen und wieder austrocknen
✔️ Schutz von Dämmung und Hintermauerwerk – Schäden entstehen meist hinter dem Klinker
✔️ Frostsicherheit – durchfeuchtete Fugen führen zu Abplatzungen im Winter
✔️ Vermeidung von Algen und Moos – grünliche Beläge zeigen dauerhafte Feuchtigkeit an
✔️ Dauerhaftigkeit der Verblendschale – intakte Fugen sichern den Verbund der Steine
An der heutigen Fassade waren bereits deutliche grüne Ablagerungen sichtbar – ein typisches Zeichen dafür, dass Wasser über offene Fugen eindringen konnte und die Wand dauerhaft feucht bleibt.
👉 Oft unterschätzt: Mit der Wahl der Fugenfarbe lässt sich zudem die gesamte Fassadenwirkung steuern.
Helle Fugen lassen das Mauerwerk ruhiger und flächiger erscheinen, dunkle Fugen betonen das Steinformat und die Struktur der Fassade. Das Verfugen ist also gleichzeitig Schutzfunktion und Gestaltungselement.
Kurz gesagt:
Nicht der Klinker allein schützt das Gebäude – sondern das Zusammenspiel aus Stein und Fuge.
Frühzeitiges Nachverfugen erhält die Bausubstanz und verhindert teure Folgeschäden.
Willi Matern M.Sc.
Ingenieurbüro Heinsberg
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Bauplanung · Baustatik · Bewehrungsplanung · Bauausführung / Rohbau