22/08/2026
Presse-News Schwetzinger Zeitung: Haus der Vereine in Plankstadt Der Abriss der Mehrzweckhalle läuft, doch dessen nördlicher Teil bleibt als „Haus der Vereine“ bestehen. Der Termin für den Fall des Schornsteins ist noch offen.
Ralf Strauch
Der erste der Spatenstich zum Baubeginn der Plankstadter Mehrzweckhalle wurde am 30. Juni 1975 gemacht. An diesem Freitag, also etwas mehr als 51 Jahre später, gab Bürgermeister Nils Drescher den Startschuss für den ersten Baggerbiss zum Abriss der Halle. „Wir erleben hier einen ganz großen Moment, den wir entsprechend würdigen wollen.“ Wobei selbstverständlich nur die eigentliche Halle und deren Technik dem Erdboden gleich gemacht wird, ab den Kegelbahnen Richtung Norden bleibt der Bau als „Halle der Vereine“ erhalten (wir berichteten).
Zudem ist der erste Baggerbiss eigentlich nur ein zeremonieller Akt gewesen, denn der Abriss läuft bereits seit vier Wochen, wenngleich die Erwachsenenmannschaften der Handballer noch bis vergangenen Montag in der Halle trainieren konnten. Doch in der nächsten Wochen werden die Dachflächen abgetragen und das Gebäude im Innern entkernt, der Abriss der Außenwände startet wohl erst im September.
„Kann man denn schon sagen, wann der markante Schornstein, der Kampanile von Plankstadt, fällt“, wollte der Bürgermeister erfahren, „viele Plankstadter wollen bei diesem besonderen Moment dabei sein“. Doch Sven Recklebe von der Abrissfirma SER aus Heilbronn konnte dazu nur den Kopf schütteln: „Das hängt von so vielen Faktoren ab, dass wir wirklich keinen Termin nennen können.“
Plankstadter Menschen sind mit ihrer Halle eng verbunden
Wie verbunden die Plankstadter mit ihrer Mehrzweckhalle waren, zeigte Drescher in seinem kurzen Grußwort auf. „Seit 1978 hat die Halle uns treue Dienste geleistet.“ Kaum ein Einwohner kenne ihren Geruch nicht, ihre Mängel, aber auch ihre Vielseitigkeit im facettenreichen Angebot für die Bürger: Ob bei Sportveranstaltungen, als es noch die großen Pokale in Plankstadt zu gewinnen gab, dem eigenen Sportbetreiben, beim Freizeitkegeln, bei vielen spannenden Momenten, beim Essen im Restaurant oder bei den Kulturevents. „Das waren tolle Zeiten, an die man sich gern erinnert.“
Doch so ganz verschwinde die Halle ja nicht, weil das „Haus der Vereine“ schließlich erhalten bleibe. Das sei übrigens nicht so unkompliziert, wie man meinen könnte, sondern stelle eine für Abrisstrupps und Sanierer echte Herausforderung dar, bei der auch sein Team aus dem kommunalen Bauamt um dessen Leiterin Vanessa Bracht, Sachbearbeiterin Diana Giacci, die auch gleich unter dem Applaus der Zaungäste den gewaltigen Bagger für einige Drehungen kaperte, und den Leiter der Technischen Dienste Sascha Rachel sowie Bautechniker Michael Ahnepohl hervorragende Arbeit leiste.
Schnitt mitten durchs Bestandgebäude ist nicht einfach
Auf welche Schwierigkeiten man bei der Trennung des abzureißenden und des zu erhaltenden Gebäudeteils stoße, erläuterte der Beratende Ingenieur Dietmar Defièbre. So sei dieser Schnitt mitten durch das Bestandsgebäude nicht so schnell erfolgt, wie man gehofft hatte. Aber schon in den nächsten Tagen würde die neue Trennwand errichtet werden. Bürgermeister Drescher versprach in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Kegler, deren Bahnen dann plötzlich über eine Außenmauer verfügen, nach vier Wochen Unterbrechung Anfang September ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen könnten.
Dieser Zeitplan erhielt von Recklebe zustimmendes Kopfnicken. „Wir gehen davon aus, dass das klappt“, fügte der Vertreter des Abbruchunternehmens hinzu, „und bis Ende des Jahres werden wir mit dem Abriss durch sein“. Drescher sah das dank der guten Zusammenarbeit auch als möglich an, „wir haben jetzt schon sehr viel geschafft, sogar den Keller mit seiner vielen Technik haben alle fristgerecht leerbekommen“.
Defièbre vom Ingenieurbüro IBV Defièbre-Stefan widmete sich dann noch einmal kurz dem markanten Schornstein, der nicht ohne Grund so groß sei, „da ging viel Abgas von der alten Gasheizung raus.“ Im Untergrund unter dem Kamin war ein Keller mit der gesamten Technik als Herz der Halle, der nach einem halben Jahr der Demontage allerdings so gut wie leer sei. Doch durch die Umbauten in der Technik im zu erhaltenden Gebäudeteil erreiche man über Fernwärme und Wärmetauscher eine echte Emissionsfreiheit. Dazu kämen auf dem Plarenadach später noch Photovoltaikanlagen und ein entsprechender Wärme- und Kältespeicher unter der Halle, die letztlich für einen energieautarken Gebäudekomplex sorgten, erklärten die Bauverantwortlichen stolz.
Alte Halle macht einer Zubringerstraße Platz
Im „Haus der Vereine“, ein Name der zwar passend, allerdings zurzeit laut Drescher eher ein Arbeitstitel sei, würden während der laufendenden Nutzung einzelner Gebäudeteile mit einer 250.000-Euro-Förderung neben den Kegelbahnen zwei Gymnastiksäle und ein Multifunktionsraum entstehen. „Das ist alles schon ziemlich herausfordernd.“
Dort, wo zurzeit noch die Halle steht, wird in Zukunft eine Zubringerstraße zur Plarena und zu einem geplanten Neubaugebiet entstehen. Das Quartier wird sein Gesicht also komplett verändern.
Und wenn man schon einmal eine Gruppe Interessierter bei der alten und der neuen Halle hatte, zeigte Drescher auch gleich noch einmal den Baufortschritt bei der Palarena, „da sind wir sogar schneller als geplant“, betonte er nicht ohne Stolz. Der neue Hallenboden ist fast fertiggestellt. „Das war gar nicht so einfach, eines der wenigen Fachunternehmen in Deutschland während der Sommerferien zu bekommen – in den Ferien sind deren Auftragsbücher mehr als voll“, erklärt Drescher im Gespräch. Und man merkt ihm, wie auch allen anderen Bauverantwortlichen den Stolz auf das Geleistete an. Und das Gefühl ist berechtigt, denn es entsteht ein echtes Schmuckstück.
Von der Eröffnung der neuen Halle am Samstag, 19. September, sei die Plarena noch zwei Zertifikate entfernt, „aber die bekommen wir sicherlich auch“, prognostizierte der Rathauschef zuversichtlich. Am Mittwoch falle dann mit der großen Bauabnahme die Entscheidung, ob der Einweihungstermin gehalten werden kann.