Die Skipper-Praxis-App

Die Skipper-Praxis-App Die multimediale Skipper-Enzyklopädie für Segler und Wassersportler.

06/05/2023

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Die Wende gilt als das vermeintlich einfachste Segel-Manöver, bei dem das Boot mit dem Bug durch den Wind fährt und im Grunde nur das Vorsegel bedient werden muss. Für die dafür notwendige Kursänderung nutze ich den schon eingangs erwähnten elektrischen Autopilot. Also los:

Ausgangssituation:
Ausgangskurs für die Wende ist ein Kurs Hoch-am-Wind. Soll heißen, die Segel sind dicht geholt und das Boot wird mit einem Winkel zwischen 50 und 60 Grad zum Wind gesteuert.

Vorbereitung:
Bevor wir die Wende einleiten, nehmen wir bereits die leewärtige Vorschot auf Standby. Gerade bei viel Wind ist hier natürlich entsprechender Zug auf der Schot und ihr solltet mindestens zwei Törns auf der Winsch belassen, um die Leine sicher und gut halten zu können. Alternativ könnt ihr die Schot aber auch bis zur Wende selbst belegt lassen und erst dann loswerfen.

Mit dem Bug durch den Wind manövrieren:
Für die Wende selbst fahren wir mit einer Kursänderung von 120 Grad durch den Wind. Dieser Wert ergibt sich aus den beiden Winkeln, die wir auf Backbord- oder Steuerbord-Bug segelnd, maximal zum Wind erreichen kann. Bei CARPE DIEM sind dies etwa 50 bis 60 Grad, die wir an den Wind herankommen. Gehe ich also von 60 Grad zu beiden Seiten aus, bin ich mit einer Kursänderung von 120 Grad auf der sicheren Seite. Nachdem der neue Kurs nun in Zehnerschritten am Autopilot eingestellt ist, warten wir, bis das Boot mit dem Bug durch den Wind dreht, werfen die Lee-Vorschot los und holen das Vorsegel über. Danach noch etwas Feintrimm an den Tüchern und fertig ist die Einhand-Wende.

19/04/2023

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Was gibt es Schöneres, als nach einem gelungenen Segeltag den Abend vor Anker liegend ausklingen zu lassen oder sogar die ganze Nacht weitab von hektischen Marinas und Häfen am Ankerplatz zu verbringen? Trotzdem ist gerade das Ankern für viele Skipper unbekanntes oder zumindest ungewohntes Terrain. Neben Schwierigkeiten bei dem Manöver selbst, gibt es auch oft Befürchtungen hinsichtlich der Sicherheit. Wie üblich ist das Ganze dann aber doch halb so wild, wenn man erst mal die grundsätzlichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Ankermanöver verinnerlicht hat.

Die naturgemäß erste Frage die wir uns vor dem Ankermanöver stellen. ist: Wo darf ich überhaupt ankern? Wie hieß es doch noch gleich in §32 der Seeschifffahrtsstraßenordnung?

"Das Ankern ist verboten im Fahrwasser, an Engstellen und in unübersichtlichen Krümmungen, im Umkreis von 300 Metern von schwimmenden Geräten, Wracks und sonstigen Schifffahrtshindernissen, Kabeltonnen und sonstigen Stellen für militärische und zivile Zwecke, vor Hafeneinfahrten, Schleusen, Anlegestellen und Sielen sowie in den Zufahrten des Nord-Ostsee-Kanals, innerhalb von Fähr- oder Brückenstrecken sowie 300 Meter vor und hinter Ankerverbotszeichen.

Sind in der Seekarte außerdem spezielle Sperrgebiete gekennzeichnet, so ist auch hier das Ankern natürlich nicht gestattet. Bei der Auswahl des Ankerplatzes selbst, gibt es dann gleich eine ganze Reihe von Faktoren, die wir beachten sollten:

Da wäre zunächst die Lage des angepeilten Ankerplatzes sowie die dort vorherrschenden Wind- und Seegangsverhältnisse. Idealerweise sollte der Wind hier ablandig – also von der Küste weg – wehen. Das bewahrt uns zum einen vor gefährlichen Legerwall-Situationen (z.B. wenn der Anker trotz alle Sorgfalt plötzlich aus dem Grund ausbrechen sollte) und bietet in aller Regel ausreichend Schutz vor wetterbedingtem Seegang. Sind die Wellen an unserem Wunschankerplatz nämlich zu hoch, droht die Gefahr, dass der Anker durch die Auf- und Abwärtsbewegungen des Bugs seinen Halt verliert.

Außerdem ist es wichtig zu wissen, wie sich der Wind im Hinblick auf Richtung und Stärke innerhalb der anvisierten Liegezeit entwickeln wird. Dreht der Wind beispielsweise um 180 Grad von ablandig auf auflandig, droht nicht nur Ungemach durch einen ggf. ausbrechenden Anker, sondern insbesondere durch die jetzt gefährlichen Legerwall-Verhältnisse.

Nächster wichtiger Punkt ist die am Wunschankerplatz verfügbare Wassertiefe sowie die Beschaffenheit des Meeresbodens (Ankergrund). Während die Wassertiefe abhängig von unserem Tiefgang, etwaigem Seegang und insbesondere der an Bord verfügbaren Ankerkette oder -trosse gewählt wird, sind die Bodenverhältnisse gerade im Hinblick auf den an Bord vorhandenen Ankertyp interessant. Dazu gleich noch mehr. Grundsätzlich sind aber ebene Sand- und Lehmböden zum Ankern am besten geeignet. Ist der Grund nämlich zu steil, findet der Anker ggf. nur schlecht Halt.

Welche Wassertiefe ist denn aber nun die Richtige zum Ankern? Die gängige Faustregel für ein sicheres Ankermanöver besagt, dass wir die mindestens 3-fache Wassertiefe an Ankerkette ausbringen sollten, bei einer Ankertrosse hingegen die mindestens 5-fache Wassertiefe stecken müssen. Also beispielsweise 15 Meter Kette bzw. 25 Meter Trosse bei einer Wassertiefe von maximal 5 Metern. Oder andersherum gedacht: Wenn wir 30 Meter Ankerkette zur Verfügung haben, sollte die maximale Wassertiefe nicht über 10 Metern liegen.

Im Gegensatz zum Hamburger essen und Bier trinken gilt hier übrigens ausnahmsweise: „Viel hilft auch viel!“ Soll heißen, je mehr Kette oder Trosse wir ausbringen, umso sicherer werden wir vor Anker liegen. Denn nicht nur der Anker selbst, sondern insbesondere das Gewicht und der Reibungswiderstand der Kette auf dem Meeresgrund sorgen letztlich für den gewünschten Halt.

Ein Sonderfall ist das Ankern im Gezeitenrevier. Hier ist neben der Beschaffenheit des Ankergrunds vor allen Dingen die bei Niedrigwasser verbleibende Mindestwassertiefe zu beachten! Und zwar nicht nur an unserer aktuellen Position, sondern allen denkbaren Positionen innerhalb unseres Schwojkreises. Wir wollen ja schließlich nicht unfreiwillig den Grund berühren oder am Ende sogar trockenfallen. Was die Länge der ausgebrachten Kette bzw. Trosse angeht, so orientieren wir uns im Gezeitenrevier jetzt an der maximalen Tiefe bei Hochwasser. Also beispielsweise mindestens 40 Meter Trosse bei einer maximalen Wassertiefe von ungefähr 8 Metern.

27/03/2023

Allein auf See unterwegs. Das klingt spannend und herausfordernd. Aber wo kommt der Begriff des Einhandsegelns überhaupt her? Auch das ist wie so vieles beim Segeln eigentlich recht einfach. Denn es gibt eine seemännische Sicherheitsregel die besagt: „Eine Hand für das Schiff und eine Hand für dich selbst.“ Damit ist letztlich gemeint, dass eine Hand des Seglers für die Bedienung und Steuerung des Bootes gedacht ist, während die zweite Hand der persönlichen Sicherheit dient. Ist man dann alleine an Bord, verbleibt naturgemäß nur eine Hand um das Boot zu führen. Der Segler ist also einhand unterwegs.

Darüber hinaus steht das Einhandsegeln nicht zuletzt wegen Menschen wie Wilfried Erdmann für spannende Abenteuer aber auch gefährliche und schwierige Situationen. Und gerade deshalb trauen sich viele Skipper erst gar nicht, alleine auf See hinauszufahren. Das ist kein Makel, sondern völlig normal. Denn den meisten Freizeit- oder Urlaubs-Skippern fehlt es schlichtweg an der notwendigen Erfahrung und Routine. Man stelle sich einmal vor, ihr würdet nur einmal im Jahr mit dem Auto fahren und müsstet dann zur Rush-Hour in einer bis dato unbekannten Stadt navigieren. Auch das würde sicher nur schwerlich funktionieren.

Mit den nun folgenden Kapiteln wollen wir euch deshalb eine echte Hilfe aber auch Anregungen zum selbst Ausprobieren an die Hand geben. Denn wie heißt es so schön: „Was funktioniert, ist richtig!“ Natürlich immer vorausgesetzt, man beachtet die insoweit geltenden Vorschriften und bringt weder sich noch Dritte in Gefahr. Also seid mutig und überlegt euch auch eigene Ideen und Verfahren, um die anstehenden Manöver zu bewältigen.

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