13/04/2025
Gedanken zum Sonntag:
Oft werde ich gefragt: Wo soll denn der ganze Strom für die Elektroautos herkommen...?
Da es dazu erstmal nicht DIE EINE Antwort gibt, möchte ich mal eine beispielhaft zeigen, nämlich meine:
Ich selbst fahre einen ID.5, ca 290 PS, Akkukapazität brutto: 82 kWh, netto nutzbar 77 kWh. Reichweite: zwischen 450 und 620 km. Je nachdem ob Winter oder Sommer. Insgesamt fahre ich ca. 35.000 km/Jahr.
Zu Hause habe ich eine PV-Anlage, ca. 12 kWh in Ost-West-Ausrichtung mit Speicher, 10 kWh, dazu eine überschussladefähige Wallbox, die zwischen 1.6 und 11 kWh laden kann.
Soweit die Randbedingungen. Ich fahre also ca. 100 km am Tag. Meistens halt zwischen 8.
00 Uhr und 17.30 Uhr, je nachdem. Mal halt 300 km am Tag, mal nur... 30.
Jetzt schauen wir uns mal den April bis jetzt an: meine PV hat vis heute 630 kWh produziert. 405,4 kWh habe ich davon selbst verbraucht, 232,7 kWh davon für mein Auto. Damit bin ich ca. 1.330 km gefahren. Ca. 227 kWh habe ich eingespeist.
Und jetzt kommt der Clou: wann habe ich eingespeist? Natürlich, wenn ich unterwegs war. Unter der Woche, Montag bis Freitag, zwischen 6.00 Uhr (ja, Freitags geht's früh los ;-) ) und grob ca. 18 19 Uhr. Also in der Zeit, in welcher unsere Wirtschaft, Industrie, Büros, Handwerk den Strom gebraucht haben. Und wann hab ich geladen? Meistens am Wochenende, wenn die Wirtschaft wenig braucht. Manchmal auch unter der Woche, aber wenig.
Wieviel habe ich aus dem Netz bezogen? Meine Autarkie lag bei 99,3%. Also habe ich quasi NICHTS aus dem Netz bezogen! (Genau: 2,84 kWh für Akkumanagement).
Das heißt, ich habe das Netz überhaupt nicht belastet. Im Gegenteil: wir haben zu den wichtigen Zeiten sogar Deutschland Strom zur Verfügung gestellt und zu unwichtigen Zeiten, am Wochenende, das meiste selbst verbraucht.
Damit will ich sagen, dass ein vernünftiges Energiemanagement auf dem Land dazu führen kann, dass der Netzbezug mit E-Autos gar nicht höher ist als ohne, denn hier gibt es mittlerweile schon sehr viele PV-Anlagen, was super ist!
Und in der Stadt? Da ist das natürlich schwieriger. Mehrfamilienhäuser bieten weniger Dachfäche pro Wohnung. Und dann gibt es nicht genügend Parkplätze am Haus, um die Autos zu laden.
Aber in der Stadt gibt es einen ÖPNV, den es hier auf dem Land kaum gibt, also ist das Auto weniger wichtig als auf dem Land. Und es gibt mittlerweile gangbare Mieterstrommodelle. Und Contracting-Lösungen.
Was es leider noch nicht gibt, ist bidirektionales laden. Also dass der Akku meines E-Autos als Haus-Akku dienen kann. Groß genug wäre er ja. Mein Auto kann das übrigens. Der vorherige hätte das auch schon gekonnt! Aber da will ich nicht jammern, sonst müsste ich politisch werden. Auch so gibt es gute Lösungen
Also wäre es doch ein Anfang, dort, wo der ÖPNV schon gut ist, diesen besser und pünktlicher zu machen und dort, wo er k***e ist, z. B. im schönen Pohl-Göns, die individuelle Mobilität so umzugestalten dass es funktioniert, wie ich es oben beschrieben habe.
Funktioniert das im November und Januar? So halb. Funktioniert das von März bis Oktober? Bombe! Haben wir im November und Januar Wind? Meistens schon! Haben wir das europäische Stromnetz? Haben wir. Läuft also.
Und dass bei meinen letzten 1.330 Kilometern mit 290 PS in 12 Tagen sicherlich gut 90 Liter Diesel einfach NICHT verbrannt wurden und ich damit wahrscheinlich ca. 135 Euro gespart habe (in 12 Tagen), ist ein angenehmer Nebeneffekt.
Und bevor jetzt die Elektroauto-Fachleute kommen mit:
Aber die Herstellung der Akkus Ist böse und:
Was soll mit den Akkus passieren, wenn sie mal kaputt sind, die sind doch Sondermüll,
Hier ein paar Antworten:
Die seltenen Erden der Akkus sind gar nicht so selten, wie sie heißen. Der Name kommt aus dem frühen 19. Jahrhundert, da waren sie noch selten. Hauptlieferant für die wichtigsten Rohstoffe hier ist übrigens: Australien. Sicherlich nicht bekannt für menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse.
Und so ein 600kg-Alu-Motorblock eines Verbrenners hüpft auch nicht freiwillig aus der Erde. Und dann muss man da Woche für Woche Benzin nachschütten. Und das wird dann verbrannt. Das ist weg. Da brauchen wir über recycling nichtmal nachzudenken. 90 Liter in den letzten 12 Tagen. Ihr erinnert euch? Also ein Akku-Gewicht einfach verbrannt in... weniger als einem halben Jahr. Weg. Verbrannt. Krass, oder...?
Mein letztes E-Auto ging nach 3 Jahren leasing zurück mit 110.000 km. Akkukapazität: 97%. Der wird also LOCKER nochmal 100.000-200.000 km machen. Und dann? Hat der Akku vielleicht noch 80%. Dann kann er nochmal 15, 20 Jahre als Pufferspeicher für z b. Windkraftanlagen dienen. Und dann?
Die Akkus können schon heute zu 97 Gewichts-% recycelt werden. Es werden also wieder neue Akkus daraus.
Wir müssen also JETZT EINMAL ein bisschen reinhauen, um es später nur noch ganz wenig zu müssen.
Und was wäre denn das Schlimmste was passieren könnte wenn sich in 10 Jahren raustellen würde: nee wir haben uns damals verrechnet, so schlimm war das doch nicht mit dem Verbrennen von Erdöl?
- Wir wären unabhängig von grunddemokratischen Lieferanten aus dem Osten, mittleren Osten (und mittlerweile auch aus dem Westen...)
- Wir müssten nichtmehr annähernd 100% Öl, Gas und Uran importieren und superteuer bezahlen, sondern vielleicht nur noch 10% Strom und das auch nur, wenn es wo anders in Europa gerade günstiger wäre als bei uns
- Neue Endlager müssten wir keine finden, vor einem super-GAU keine Bedenken haben.
- Wir hätten sauberere Luft
Wäre ganz schön scheiße, oder?
Schönen Sonntag allen ;)