26/11/2018
Liebe Freunde,
am Samstag den 8. Dezember ab 20 Uhr laden wir Sie/Euch zur nächsten Vernissage in die Galerina Steiner mit Fotoarbeiten von THOMAS BACHLER & HERMANN STAMM ein.
Wir freuen uns auf Euren/Ihren Besuch
Thomas Bachler
„Passanten“
2000 Fotografien aus 40 deutschen Städten
2014 – 2018
Beamer-Show
Es ist der kurze, flüchtige Moment der Begegnung, für den sich Thomas Bachler interessiert. Auf der Straße, im Bahnhof,
im Park – überall kommen einem Menschen entgegen. Für einen Sekundenbruchteil schaut man einander an, dann geht
jeder weiter seiner Wege und hat den jeweils anderen schnell wieder vergessen. Es sei denn, man hält diesen diesen Moment
fotografisch fest.
Seit vier Jahren fotografiert Thomas Bachler Passanten. Er beschränkt sich dabei auf Deutschland und hier auf wirklich
belebte, öffentliche Orte. Die Szenen wie auch die abgebildeten Menschen erscheinen völlig vertraut und, soweit man das
sagen kann, durchaus „normal“. Es geht Bachler nach eigener Aussage gerade um diese Normalität, die bei näherem Hinsehen
erstaunlich vielseitig ist. Und zugleich liegt gerade darin etwas Geheimnisvolles. Beim Betrachten der Fotos stellt sich
die Frage, ob es so etwas wie den „typischen Deutschen“ gibt und ob man ihn visuell ausmachen kann. Thomas Bachler
ist sich da selbst nicht sicher; er versteht die Arbeit in erster Linie als eine Art Kulturdokumentation und verweist darauf,
dass sein „Passantenwerk“ gerade erst am Entstehen ist.
K. G. Forsman
Hermann Stamm
„Bilder aus der Registratur des Nachdenkens“
S/W-Fotografien, ab 1979
Seit 1979 fotografiert Hermann Stamm immer wieder sich selbst. Eine in die Tausende gehende Sammlung ist dabei entstanden.
Wir sehen den Fotografen vor der Berliner Mauer, dem World Trade Center in New York, der Napoleon-Büste in
Amiens und am Golf von Neapel. Die Zeit spiegelt sich doppelt in den Bildern, auf seinem Gesicht und dem Hintergrund.
Der Fotograf ist der paradoxe, aber konsequente Garant für eine andere Sicht auf die Dinge hinter ihm. Stamm räumt mit
der alten Vorstellung auf, dass in der Fotografie die Sache selbst zu Worte käme. Er verdoppelt die Subjektivität des Fotografen,
der nicht allein in der Bildgestaltung anwesend ist, sondern der nun auch im Bild nicht zu übersehen ist. Die Bilder
aus »Der Registratur des Nachdenkens« von Hermann Stamm machen diese Bedienung der fotografischen Bildgewinnung
bereits vor der Digitalisierung deutlich. Man erkennt umgekehrt, dass der Fotograf auch dort im Bild ist, wo er sich nicht
selbst abbildet. Stamms Gesicht tendiert dazu, im Auge des Betrachters zu verschwinden. Der Hintergrund will sich, so
scheint es, am Kopf vorbei an den Vordergrund schieben. Räumlichkeit vortäuschend, bleibt das Bild auch flach und seine
Momente gleich wichtig. Diese Bilder sind Rätselbilder und Parabeln zugleich. Jedes Einzelne erzählt eine Geschichte. Als
Rückblicke, die nun bereits einen Zeitraum von über 35 Jahren umfassen,
sind sie als Lebensprojekt angelegt, das über das einzelne Leben hinausweist.
Wolfgang Bock