29/01/2026
Was macht eine Segelyacht eigentlich zur Fahrtenyacht für die Langfahrt - beim "European Yacht of the Year"-Award als "Bluewater Cruiser" bezeichnet? Wer schon auf Langfahrt ist, der kann sicherlich sofort eine lange Liste von Dingen aufzählen, die bei seiner Yacht fehlten und die er über die Jahre nachrüsten musste.
Leider ist es noch immer so, dass die Serienyachten mit nur ganz wenigen Ausnahmen für eine Langfahrt völlig ungeeignet sind. Es ist dann Aufgabe des Eigners, daraus eine Fahrtenyacht zu machen. Oft dauert es Jahre, bis man alles an Bord verbaut hat - und dann ist es doch nur ein Kompromiss und so richtig viel Vertrauen hat man nicht in sein Boot.
Da denkt sich der gut betuchte Eigner, kein Problem, dann baue ich mir eben meine eigene Fahrtenyacht - und sucht sich einen passenden Yacht-Designer. Weit gefehlt. Die meisten Yacht-Designer waren selbst noch nie auf Langfahrt und kennen die Anforderungen daher nur theoretisch. Ich kann ein Lied davon singen. Wenn der Eigner da nicht mit eigenen Vorgaben kommt, dann ist das Ergebnis mehr als nur enttäuschend. In den Kommentaren habe ich ein paar Beispiele aufgeführt, wo wir selbst nacharbeiten mussten, weil der Designer keine Lösung liefern konnte oder auch wollte.
Was macht also eine Langfahrtyacht aus? Es ist vor allem eine sehr hohe Vielseitigkeit und Funktionalität. Auf Langfahrt erlebt man sehr unterschiedliche Situationen und das Boot sollte darauf vorbereitet sein. Über 80% der Crews sind als Paar unterwegs und damit muss man das Boot oft auch Einhand segeln. Die Cockpit-Ergonomie muss das ermöglichen.
Als Beispiel habe ich das Heck unserer Viator Explorer 42 DS (VE42DS) abgebildet. Was meine ich mit Vielseitigkeit? Beim Ankern oder Anlegen gibt es sehr viele Varianten. Meist mit dem Buganker, aber dann auch mit dem Heckanker (schwedische Schären), mit Landleine (Türkei, Griechenland) oder römisch-katholisch mit dem Heck an den Steg (Mittelmeer). Oder mal mit 2 Bugankern das Bahamian Mooring, weshalb man 2 Ankerrollen im Bugspriet benötigt. Im Med benötigt man häufig eine Gangway, da es keine Fingerstege gibt. Deshalb haben wir dafür schon eine Aufnahme installiert, wo sie eingesteckt werden kann. Die VE42DS kann in kurzer Zeit so umgerüstet werden, dass man alle diese Manöver stressfrei fahren kann. Denn wer Stress hat, der macht Fehler und Fehler führen zu Unfällen.
Es gibt unzählige Detaillösungen für die Langfahrt an Bord der VE42DS, weil da die Erfahrungen auf mehreren Yachten, Monos und Katamarane, über viele Seemeilen eingeflossen sind. Langfahrt lernt man nicht aus Büchern, man muss sie erfahren.
Unsere Kunden bekommen daher eine fertig ausgerüstete Yacht an die Hand und müssen eigentlich nur noch den Kühlschrank füllen. Aber auch das ließe sich noch organisieren.
Foto: Heck der Viator Explorer 42 DS "VOLT"