01/06/2026
Drei Türen, ein Tag: Ende April klopften Dietmar Hernegger und ich an drei sehr unterschiedlichen Innsbrucker Türen. Eine Seifenmanufaktur in achter Generation, ein wachsendes Softwarehaus, der größte Gesundheitsdienstleister Westösterreichs. Was wir hörten, hatte mehr gemeinsam, als die Branchen vermuten lassen.
In der Dörrstraße riecht es nach Zitrone, nach Zirbe, nach handgerührter Masse. Lukas Walde führt durch die Produktion der ältesten Seifenmanufaktur Österreichs – gegründet 1777, heute in achter Generation. Lukas kennt jeden Arbeitsschritt, er hat sie alle einmal selbst gemacht. Die letzten Jahre waren die besten in der Firmengeschichte, sagt er nüchtern. Das war nicht immer so. Mehrfach stand der Betrieb knapp vor dem Aus, früher hingen sie zu 90 % an Großkunden aus dem Gewerbe. Heute trägt eine diversifizierte Kosmetiklinie das Geschäft, Regionalität und Naturkosmetik sind die Argumente, die ziehen. „Wir könnten anderswo billiger produzieren. Aber dann wären wir nicht mehr wir“, sagt Walde. Amazon? Kein Thema. Wiederverkäufer werden geprüft, der eigene Online-Shop gehört selbstverständlich dazu, aber das persönliche Gespräch vor Ort zählt doppelt. Was ihn wirklich umtreibt sind Verordnungen. Genauer: das, was aus Brüssel und Wien anrollt und in bürokratischem Englisch bis kurz vor Inkrafttreten unklar bleibt. „Oft passiert es, dass niemand genau weiß, was eine neue Verordnung für den eigenen Betrieb konkret bedeutet. Das müssen sie sich erst mühsam herausarbeiten – oder teuer Rechtsberater konsultieren“, schildert er. Wer die Verordnungen ignoriert, riskiert viel. Wer externe Berater holt, zahlt drauf – und am Ende der Konsument. Genau hier setzt die Wirtschaftskammer an: kostenlose Rechtsberatung, Arbeitsrecht, Praxisübersetzung. Wir skizzieren das Serviceangebot und empfehlen direkt die richtigen Ansprechpartner.
Ortswechsel ins Competence Center am Grabenweg. Bei Poool Software entwickelt Clemens Plank mit rund 25 Mitarbeiter:innen eine Cloud-Lösung für Agenturen und neuerdings auch Architekturbüros. Was das Unternehmen vom Markt abhebt, lässt sich erstaunlich konkret beziffern: 2,5 Stunden durchschnittliche Antwortzeit im Kundensupport. „Geschwindigkeit und Effizienz ist bei uns kein leeres Marketing-Versprechen, sondern eine exakte Kennzahl“, sagt Plank. Im Gespräch geht es weniger um Produkte als um Standortfragen – Politik, steuerliche Rahmenbedingungen, Tirols Platz auf der IT-Landkarte. Ein Austausch, der sich auf unsere Aufgabe als Interessenvertretung stützt.
Letzte Station: Anichstraße. Silvia Pöhli, Lehrlingskoordinatorin der Tirol Kliniken und Stefan Deflorian, kaufmännischer Geschäftsführer zeigen, was es heißt, einer der größten Lehrlingsausbilder Tirols zu sein. 50 bis 55 Lehrlinge pro Jahr in 15 Berufen. Die Zusammenarbeit mit der WK-Lehrlingsstelle laufe ausgezeichnet, betont Pöhli. Die Bitte an die Kammer ist konkret: die Berufsbilder Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz sind überfrachtet, die Ausbildungsvorschriften überbordend. Dazu kommen Statistik und Meldepflichten, eine sperrige Förderdatenbank des Landes – und Intensivpflegekräfte aus Garmisch, die in Tirol erneut nostrifiziert werden müssen.
Wir nehmen mit: „An einem einzigen Tag drei so unterschiedliche Welten zu sehen – genau aus diesen Gesprächen entstehen die Themen, die wir weitertragen.“ Es ist ein vertrautes Muster: „Viele Unternehmer:innen wissen gar nicht, was die Kammer für sie leisten kann. Dafür sind diese Besuche da – hinhören, erklären, dranbleiben.“
Fotos: WKT