08/08/2018
Thomas Kistinger schreibt aus der Perspektive des planenden und bauleitenden Ingenieurs:
An alle Hitzegeplagten in Deutschland,
ich wende mich heute mit einem Appell an euch und hoffe, dass ihr über meine Worte mal nachdenkt.
Seit Wochen stöhnen wir über die große Hitze bei uns. Gestern zeigte mein Außenthermometer am Auto 38 °C an. Ich war auf dem Rückweg von 2 Baustellen, wo in senkender Sonne gearbeitet wurde. Die Arbeiter da draußen auf der Baustelle leisten unmenschliches. Schotter wird mit der Rüttelplatte eingebaut, oft unter großer Staubentwicklung, weil trotz Wässerung das Material in der Sonne in kürzester Zeit wieder staubtrocken ist. Pflastersteine und Bordsteine werden verlegt, auch hier muss mit der Flex unter viel Staub gesägt werden. Rohre und Kabel werden verlegt, Betonarbeiten ausgeführt. Am extremsten sind die Arbeiten beim Asphalteinbau. Alle Arbeiten in der Sonne, weil Schatten es hier nirgendwo gibt. Wie hoch sind die Temperaturen hier eigentlich, wenn es im Schatten schon 37°C sind? Vielleicht 42, vielleicht 45 oder sogar 50°C? Und dann noch körperlich arbeiten? Respekt !
Aber wird dies gedankt? Meistens nicht. Oftmals wird nur nach den Terminen gefragt und ja: auch von mir. Wir hetzen den Terminvorgaben hinterher, die wir vor etwa einem halben Jahr mal gemeinsam mit unseren Auftraggebern vereinbart hatten. Da war aber noch nicht bekannt, dass es jetzt über viele Wochen derart heißt ist. Ein Abweichen von den Fertigstellungsterminen wird nur dann akzeptiert, wenn man früher fertig wird. Es wird sogar noch nach Beschleunigungen gefragt, aktuell gerade bei dem Neubau eines Kreisverkehrs in Michelfeld, wo unter Vollsperrung in 8 Wochen eine Kreuzung in einen Kreisverkehr umgebaut wird. „Geht das nicht auch in 6 Wochen?“ war die an mich gestellt Frage. Ja, es würde vielleicht gehen, wenn die Arbeiter anstatt der 9 h auf der Baustelle dann vielleicht 12 Stunden arbeiten. Oder am Samstag, da wäre doch auch noch ein ungenutztes Zeitfenster? Leute, Leute, das kann doch nicht sein! Hier arbeiten immer noch Menschen und nicht nur Maschinen.
Von meiner Seite an dieser Stelle eine großes DANKESCHÖN an alle Arbeiter da draußen auf den Baustellen. Und danke auch an meine Kolleginnen und Kollegen im nicht klimatisierten Ingenieurbüro (Altbau), wo es gestern bei meiner Rückkehr von der Baustelle 33°C waren. Ein konzentriertes Arbeiten ist da auch nicht mehr möglich.
Ich hoffe, ihr seht jetzt die Baustellen in einem etwas anderen Licht, wenn ihr auf dem Weg in euren wohlverdienten Urlaub wegen Baustellen im Stau steht oder Umwege in den Städten fahren müsst.
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